Der Kappzaum – Teil 1

Ich habe in den vergangenen Tagen einen tollen Artikel zu dem Thema Kappzaum gefunden. Ich habe wenig Erfahrung damit und wußte auch nicht, wie man ihn schnallt und wozu der Kappzaum genau dient. In diesem Beitrag wird das sehr gut erklärt. Die Verschnalltechnik ist speziell und ich hätte es auch in der falschen Reihenfolge geschnallt. Dieser Artikel ist interessant, wenn ihr mit dem Kappzaum arbeiten wollt.

Der Kappzaum – Teil 1: Was Sie über dieses Werkzeug wissen sollten

Longieren ist mein Steckenpferd und da ich in unserem Longenkurs das Longieren am Kappzaum vorstelle, steht auf der Hitliste der häufigsten Fragen an mich ganz oben diese: “Welchen Kappzaum soll ich mir kaufen?“ Meine Gegenfrage lautet dann immer: „Was wollen Sie denn mit dem Kappzaum für eine Arbeit ausführen?“ Die Auswahl an verschiedenen Kappzäumen ist sehr groß. Und je nachdem was ich machen möchte, wähle ich den dafür geeignetsten Kappzaum aus.

Eine weitere häufige Frage lautet: „Brauche ich überhaupt einen Kappzaum? Kann ich nicht auch mit einem Halfter, oder mit einer Trense arbeiten?“ Meine Gegenfrage lautet dann: „Was wollen Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?“ Denn, je nachdem welche Ziele ich anstrebe, benötige ich einen Kappzaum oder kann auch mit einem anderen Kopfstück auskommen.

Ich habe nun eine dreiteilige Serie von Blogbeiträgen geschrieben, in der ich Ihnen erläutern möchte, wann ich mich warum für welchen Kappzaum entscheide und in der ich Ihnen verschiedene Kappzäume und deren Einsatz vorstelle.

Warum überhaupt ein Kappzaum?

Mit einem gut passenden und korrekt verschnallten Kappzaum sind Sie in der Lage, beim Longieren den Kopf des Pferdes punktgenau zu positionieren und zu steuern und das sogar nach entsprechender Vorbereitung auf großer Distanz zum Pferd. Über die Einwirkung eines Kappzaumes können Sie die für die gesunderhaltende Arbeit so entscheidend wichtige Genickstellungerzielen. Über die Genickstellung und die Positionierung des Kopfes können Sie gezielt an der Längsbiegung des Pferdes arbeiten.

pepegebogen.jpg

Das ist mit anderen gebisslosen Kopfstücken (z.B. einem Halfter) meiner Erfahrung nach nicht möglich. Der Kappzaum bietet den großen Vorteil, dass Sie Ihr Pferd hochwertig gymnastizierend ausbilden und arbeiten, und dabei das Pferdemaul schonen können. Egal was ich meinen Pferden beibringe: Ich arbeite immer zunächst ohne Gebiss und wähle erst später, wenn überhaupt ;-) , ein Kopfstück mit Gebiss. Für mich gehört ein Kappzaum in die Grundausstattung eines jeden Pferdebesitzers.

Zur Auswahl eines Kappzaums

Generell gilt bei einem Kappzaum das, was ebenso für jedes andere Ausbildungsstück gelten sollte: Er muss eine hochwertige Arbeit ermöglichen und er muss dem Pferd gut passen.

Kappzäume finden Verwendung bei:

– der Longenarbeit/Doppellongenarbeit
– der klassischen Handarbeit
– bei der Arbeit am langen Zügel
– und beim Reiten.

Es gibt Kappzäume in verschiedensten Ausführungen:

– schwere, stabile Kappzäume mit eisernen Nasenteilen
– leichte Kappzäume ohne Eiseneinlage
– Caveçon
– Serreta

Hier stelle ich Ihnen den Kappzaum vor, der bei meinen Schülern/innen – zu Unrecht! – am häufigsten entsetzte Blicke auslöst.

Der schwere, stabile Kappzaum

kapp1.jpg

Zugegeben, dieser Kappzaum sieht schon ein bisschen aus wie ein Marterinstrument. Er ist auch recht schwer, was vielen Pferdebesitzern/innen Sorgen macht. In meinen Augen ist dieses Modell aber tatsächlich die pferdefreundlichste Kappzaumvariante und das Modell, welches ich grundsätzlich zum Longieren empfehle. (Andere Modelle, wie z.B. das Caveçon, eignen sich für diese Arbeit nicht da sie unpräzise und zu scharf sind. Ausführlich gehe ich darauf im nächsten Blogbeitrag ein.)

Ein solcher Kappzaum verfügt in der Regel über 2 oder 3 massive Eisenteile, die über Gelenke miteinander verbunden sind. Er hat ein breites Nasenteil und soll gut abgepolstert sein.

So passen Sie den Kappzaum an

Ziehen Sie Ihrem Pferd den Kappzaum über und stellen Sie die korrekte Höhe des Kappzaumes ein. Der Kappzaum soll so hoch sitzen, dass das Nasenteil ca. 2 Finger unterhalb des Jochbeinknochens sitzt:

kapp2.jpg

Schnallen Sie den Kappzaum zu tief, drückt das Nasenteil auf den weichen Nasenknorpel. Dort ist die Pferdenase viel empfindlicher und Sie gehen Gefahr, dem Pferd die Atmung zu erschweren. Hier sitzt der Kappzaum deutlich zu tief:

kappzutief.jpg

Sitzt der Kappzaum zu hoch, sitzt er zu nah an den Jochbeinen und drückt oftmals auf den Punkten, wo die Gesichtsnerven austreten. Dieser Kappzaum ist deutlich zu hoch verschnallt:

kappzuhoch.jpg

Achten Sie immer auch darauf, dass der Kappzaum nicht an den Ohransätzen drückt. Hier liegen viele Akupunkturpunkte, die wir nicht „quetschen“ wollen. Sehr häufig ist der Stirnriemen zu eng. Da dieser nicht notwendig ist, machen Sie ihn im Zweifelsfall einfach ab.

Schließen Sie bitte immer zuerst den Ganaschenriemen, dann erst den Nasenriemen. Dadurch verhindern Sie, dass zu großer Druck im Genick entsteht was passieren kann, wenn Sie erst den Nasenriemen zuziehen. Der Ganaschenriemen ist sehr wichtig und sollte auf Augenhöhe des Pferdes angebracht sein. Er verhindert, dass die Backenstücken in die Augen rutschen. Damit er das wirklich verhindert, muss er fest angezogen werden.

Überprüfen Sie beim fertig angezogenen Kappzaum immer noch einmal, ob Sie den Kappzaum verrutschen können. Wenn das Backenstück ins Auge rutschen kann, riskieren Sie im schlimmsten Fall die Gesundheit des Auges Ihres Pferdes und es dürfte Ihrem Pferd mit Sicherheit sehr unangenehm sein, wenn die Backenstücke bei der Arbeit zu nah ans Auge kommen. Bedenken Sie bitte, dass Sie beim longieren nicht sehen können, ob das äußere Backenstück ins Auge rutscht – seien Sie hier also besonders sorgsam bei der Anpassung und kontrollieren Sie lieber einmal mehr. Auf diesem Foto sehen sie, wie die Backenstücke ans Auge rutschen können:

backenstueckauge1.jpg

Die Backenstücke sollten aus einem durchgehenden Lederriemen bestehen. Bei manchen Kappzäumen ist ein Ring eingearbeitet, von dem der Ganaschenriemen abgeht. Diese Kappzäume sind meist instabil.

Nachdem Sie den Ganaschenriemen geschlossen haben, schließen Sie den Nasenriemen. Bei der Anpassung des Kappzaumes ist darauf zu achten, dass die Nasenteile gut um die Nase anliegen. Es dürfen keine großen Lücken seitlich der Nase und kein Dreieck über dem Nasenrücken entstehen. Wenn das doch der Fall ist, kommt es zu schädlichen und schmerzhaften Klammerwirkung der Eisenteile auf der Nase. In diesem Fall passt der Kappzaum nicht. Eventuell kann ein Schmied den Kappzaum für Ihr Pferd passend machen. Ansonsten müssen Sie sich nach einem anderen Kappzaum umsehen.

Auch der Nasenriemen muss fest angezogen werden. Wenn der Kappzaum nur lose verschnallt wird oder nicht optimal passt, bleibt der mittlere Ring, in dem die Longe eingehakt wirkt, bei Einwirkung nicht mittig der Nase sitzen, wie hier zu sehen:

seitlichverrutscht2.jpg

Damit geht die wichtigste Einwirkungsmöglichkeit die der Kappzaum bietet, die gezielte Positionierung des Kopfes und die korrekte Herstellung der Stellung verloren und die einwirkenden Kräfte wirken seitlich verziehend auf das Genick des Pferdes ein.

kraftpfeile.jpg

Falls Ihr Kappzaum über einen Kehlriemen verfügt verschnallen Sie diesen so locker, dass Sie eine Faust zwischen Kehle und Riemen halten können. Oder, Sie entfernen diesen Riemen, da er überflüssig ist :-) .

In meinem nächsten Blogbeitrag stelle ich Ihnen weitere Kappzäume vor und im dritten Teil geht es dann um die Gewöhnung des Pferdes an den Kappzaum.

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Über ntschotschi

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2 Antworten zu Der Kappzaum – Teil 1

  1. Anonymous schreibt:

    Hallo..von welcher Marke ist dieser Kappzaum denn???

Und wie siehst du das?

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