Schwenkbraten (Schwenkbròòde)

Eine saarländische Spezialität. Im Sommer ist Hochsaison für die deftige Spezialität.


Schwenkbraten und Bratwürste auf einem Schwenker

Der Schwenkbraten ist das heimische Nationalgericht der SaarländerInnen. Neben der Lyoner hat sich der Schwenkbraten die Mägen der Saarländer erobert. Geschwenkt wird im Saarland an jedem Wochenende was das Zeug hält. „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“, heißt ein Spruch hier in der Gegend. Dabei vergisst der „Homo saraviensis“ allzu leicht, dass nicht er es war, der das Feuer erfand und als erster rohes Fleisch über der Flamme briet. So hart es auch für einen richtigen Saarländer sein mag, die mit rund 400 000 Jahren älteste Feuerstelle mit abgeknabberten Knochen wurde nicht im Saarland, sondern im fernen Peking gefunden!

Dennoch, wenn das Wort „Schwenker“ fällt, wirft sich der Saarländer stolz in die Brust und das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Schwenken ist eine saarländische Domäne! Die Schwenkbratensaison ist die eigentliche saarländische Jahreszeit. Sie beginnt an Aschermittwoch und endet am 1. Advent. Kaum steigen im Frühling die Temperaturen, wird das Dreibein aus dem Winterschlaf geholt, der Grillrost mit der Stahlbürste gereinigt und die Kette geölt. Frau/Mutter kauft den Braten – das Fest kann beginnen. Auf jedem Dorffest und auf vielen Privatgrundstücken kann man ihn erschnüffeln – an fast allen Wochenenden. Der appetitanregende Duft zieht einen in die richtige Richtung. Nach wenigen Augenblicken steht man vor einem äußerst rustikalen Schwenkbratenständer, dem „Turm“ aller Feste. Fachmänner prüfen mit kritischen Blicken das Feuer und den Bräunungsgrad des Fleisches.

Nicht-Saarländer können verzweifeln: Das Wort „Schwenker“ hat gleich drei Bedeutungen. Bei uns kann ein Schwenker am Schwenker stehen und sich um die Schwenker kümmern. Da wäre zuerst einmal der Schwenkbraten. Ob selbst eingelegt oder fertig vom Metzger: vor allem groß und dick muss er sein. Übertreiben sollte man aber nicht. Man rechnet im Saarland pro Person mit zwei Schwenkern, sprich: Schwenkbraten.

Auch der Schwenkbratenständer (ein stählernes Dreibeingestell mit dazwischen aufgehängtem, rundem Grillrost aus Edelstahl) heißt Schwenker. Dabei unterscheidet man allerdings zwischen dem „Schwenker de Luxe“ und dem Gekauften. Der erste ist so stabil, dass er jederzeit als Panzersperre einzusetzen wäre. Der Gekaufte ist dagegen ein blasser Abklatsch: Er steht nicht wie eine Eins, und manchmal wackelt er sogar. Ein Unding! – Kein Saarländer lobt ihn. Völlig klar ist der Ursprung des Schwenk-Gestelles: die ersten Geräte dieser Art entstanden während der Arbeitszeit auf saarländischen Hütten und in Gruben-Werkstätten über Tage. Hütten- und Grubenbesitzer stellten mehr oder weniger freiwillig und gerne das Material dazu bereit.

Die dritte Bedeutung für das Wort „Schwenker“: der Fachmann am Gerät. Er kennt sich aus, trinkt während des Schwenkens sein Bier und plaudert mit den Gästen, wobei er gerne wortreich seine Spezialitätengeheimnisse preisgibt. Wenn ein solcher Fachmann am Schwenker steht, dann kann man sich selbstverständlich darauf verlassen, dass alles seine Ordnung hat.
Menge und Geschmack stimmen ganz einfach.

Andere können es auch. Aber das Schwenken als Brauchtum ist typisch für das Saarland. Das passt ganz einfach zu uns. Die Gründe: Schwenker und Schwenkbraten sind rustikal. Sie fördern die Nachbarschaft und das Wir-Gefühl. Sie zeigen auch, dass der Saarländer durchaus innovationsfreudig ist. Jemand, der neu ins Saarland kommt, muss vermuten, dass das Schwenken ein jahrhundertealter Brauch bei uns sei – wie die Passionsspiele in Oberammergau und das Fingerhakeln beim Münchner Oktoberfest. Bislang noch nicht hinlänglich beantwortet ist die Frage nach der Herkunft dieser Spezialität und dem Erfinder des Dreibeins. Vermutlich wurde der Schwenkbraten erst in den siebziger Jahren importiert. Als Hunsrücker „Schaukelbraten“ fristete er bis dahin ein klägliches Dasein. Die Saarländerinnen und Saarländer dachten wohl, dass das „mal etwas anderes“ sei und haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist: ein kulinarisches Erkennungszeichen einer ganzen Region.

Ein Zeichen dafür, dass wir SaarländerInnen nicht nur schwenken, sondern auch denken!

„Geschwenkt“ werden kann fast alles was schmeckt: neben den obligatorischen Halskoteletten, Steaks, Lendenfilets, Pute, Hähnchen, Spareribs, Lyoner (wir sind ja im Saarland), Lamm und sogar Fisch. Das eigentliche Geheimnis ist die Marinade, in der das Fleisch oder der Fisch eingelegt oder mit der das Grillgut während des Garens gestrichen wird. Als Beilagen ist frischer Salat in allen Variationen erforderlich, aber auch Folienkartoffeln, Fetakäse in Folie oder gegrillte Tomaten bzw. Maiskolben (mit Butter bestrichen und gesalzen). An Getränken reicht man neben Bier (am besten aus einer der hier ansässigen kleinen Erlebnisbrauereien), Weißwein von der Saar oder Mosel, aber auch kräftige oder frische Rotweine oder eine zur Saison passende Bowle, z.B. Melonenbowle.

Trotz BSE und Schweinepest ist der Schwenkkult im Saarland ungebrochen. Der Schwenkbraten ist jedoch kein Essen für jeden Tag. Kalorienarm ist ein gut durchwachsener Schwenkbraten jedenfalls nicht gerade. Die gereichten Beilagen und Getränke tun hier ein übriges. Aber auch Gesundheitsschäden sind bei unsachgemäßer Ausübung des „Saarsports“ nicht auszuschließen! Die Chemie spielt eine unrühmliche Rolle: Wärme begünstigt chemische Reaktionen und so entsteht Benzpyren oder Nitrosamine, die zu den krebserregenden Stoffen gezählt werden müssen. Wichtig ist auch das Brennmaterial. Könner benutzen nur Buchenholz oder Holz von Obstbäumen. Auf gar keinen Fall gehören Spanplatten, geklebtes, verharztes oder lackiertes Holz, Broschüren sowie Kunststoffe ins Feuer. Zum Anzünden auch unbedingt auf chemische Helfer verzichten, am besten geeignet ist klein gespaltetes Zündholz in Verbindung mit unbedrucktem Papier.

Wenn man alle diese Ratschläge beachtet, steht einem rundum gelungenem Gartenfest nach Art der Saarländer nichts mehr im Wege!

Schwenkbraten (saarländisch: Schwenkbròòde), Schaukelbraten oder Schwenker heißt ein Fleischgericht, das in der Regel aus Schweinefleisch hergestellt wird. Es handelt sich dabei um marinierte und „geschwenkte“ (gegrillte) Scheiben vom Schweinenacken. Der Braten wird üblicherweise auf einem Schwenkgrill zubereitet, bei dem der dreh- und schwenkbare Grillrost an einer Kette über dem Feuer hängt.

Ein Schwenkbraten ist in der Regel ein bis drei Zentimeter dick, etwa einfach bis doppelt handtellergroß und wiegt ca. 100 bis 300 Gramm. Schwenkbraten werden meist fertig mariniert gekauft, können natürlich aber auch selbst zubereitet werden; dazu wird eine Marinade aus Speiseöl, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen wie z. B. Pfeffer, Oregano, Thymian, Paprika, Lorbeer oder Senf hergestellt in der das Fleisch portionsweise für einen Tag verbleibt. Kurz vor dem Verzehr wird der Schwenkbraten „geschwenkt“ (gegrillt). Oft wird der Schwenkbraten auf dem Grill mit einem Schuss Bier abgelöscht.

Bedeutung im Saarland
Insbesondere im Saarland und dem Hunsrück hat sich der Brauch des Schwenkens stark verbreitet und ist dort die dominierende Form des Grillens. Der Schwenker gilt als „saarländischer Identitätsmythos“, wobei der Begriff Schwenker dort für Dreierlei steht: Zum einen ist der Schwenker die besondere Form des Grills. Weiterhin wird das auf dem Schwenker zubereitete Fleisch (Schwenkbraten) als Schwenker bezeichnet. Außerdem wird der „Grillmeister“, der den Schwenker (Fleisch) auf dem Schwenker (Grill) zubereitet, ebenfalls Schwenker genannt.

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