Kanaren: La Palma Barranco de Taburiente

Langsam aber sicher haben wir uns hier eingelebt und beginnen zu verstehen wie diese Insel funktioniert. Beim Frühstück muss ich beim Anblick mehrerer einsamer Handtücher mit aufgedruckter britischer Flagge innerlich mehrfach den Kopf schütteln.

Während des Frühstücks ist dann wieder dieser kleine Junge zugegen. Er hat sich angewöhnt immer wieder ein gellendes durch Mark und Bein gehendes Kreischen abzusondern. Bereits gestern hatte er sich einfach aus Spaß an einer der Futterstellen neben mich gestellt und angefangen zu kreischen. Ich hätte fast den Teller fallen lassen, so habe ich mich erschrocken und danach hatte ich Ohrenschmerzen. Das ist ja ein erbärmliches Geschrei und wiedermal geht mir durch den Kopf „gut das ich keine Kinder habe“. Ich wollte immer welche haben und mag eigentlich auch Kinder, aber seit ein paar Jahren (seit ich Migräne habe) bin ich froh mein Leben zu haben ohne Kinder. Allein bei einem Migräneanfall könnte ich das gekreische nicht ertragen. Da geht es mir so schon schlecht über mehrere Tage. Zudem wenn ich sehe, wie viele Eltern ihrer Kinder nicht Herr der Lage werden und die Kinder keine Erziehung sondern nur noch Beschäftigung genießen, „Nein danke“. Wir sind doch auch gut erzogen und geraten auch wenn die Eltern mal streng waren und auch mal einen Klaps verteilt haben. Wieso geht das heute nicht mehr. Selbst 4-7 jährige tanzen ihren Eltern auf der Nase herum. Ich habe dafür kein Verständnis. Aber es sind ja auch nicht meine und auch nicht meine Aufgabe. Ich muss mich auch nicht über sie ärgern. Meine würden dies mit mir nicht tun.

Nach dem Frühstück packen unsere sieben Sachen und machen uns auf zu einem italienischen Restaurant oberhalb von Los Llanos das wir in dem kleinen kulinarischen Reiseführer entdeckt haben. Den genauen Weg haben wir uns via Google-Maps angeschaut und so finden wir auf dem Garmin Colorado 300 tatsächlich unser „Ziel des Tages“.

Diese Karte ist auf dem GPS das eigentlich eher für Geocaching und Trekking gedacht ist, tatsächlich routingfähig! Zwar kann das GPS nicht „sprechen“, aber an den wichtigen Wegpunkten macht es sich mit einem kleinen „Ping“ bemerkbar. Das funktioniert ganz gut und so finden wir unser italienisches Restaurant auch recht schnell. Etwa auf halbem Wege stöbere ich noch ein wenig in diesem kulinarischen Reiseführer und gelangt zu der Erkenntnis, dass das Ziel unserer Begierde ausgerechnet am Sonntag geschlossen hat! Wir steuern das Restaurant trotzdem an, dann kennen wir wenigstens den Weg. Am Restaurant angekommen ist es tatsächlich geschlossen. Aber kein Problem, damit haben wir ja gerechnet. Wir fahren weiter in Richtung Norden, unser neues Ziel ist die Straße an der südlichen Kante des Barranco de Taburiente. Dort finden wir wenig später dann das Restaurante Balcon de Taburiente. Dort lassen wir es uns wirklich gut gehen, ich bestelle ein Fischfilet und Ansgar gönnt sich ein leckeres Filetsteak vom Grill.

Hier seht selbst. Besonders lecker war der Salat Tropical


Als wir das Restaurant verlassen, lockt die Einbahnstraße in Richtung Osten. Sie führt direkt tief in die Caldera de Taburiente hinein. Also wenden wir das Auto und los geht es. 

Nach einigen Spitzkehren passieren wir einen kleinen Info-Stand für Touristen. Etliche Spitzkehren weiter sind wir unten im Barranco angekommen. Dort findet sich ein kleiner Parkplatz und dort stehen schon mehrere Autos, sogar ein Wohnmobil ist dabei. Da es hier im Hochsommer extrem selten regnet ist der Flusslauf im Barranco komplett ausgetrocknet. So ist es für uns überhaupt kein Problem die trockene Furt zu queren und uns an den viele Kilometer langen Aufstieg zum Mirador de los Brecitos zu machen.

Diese Straße bereitet mir Angst, sie ist eng, unübersichtlich und ohne Begrenzung. Es gibt auch wenig Platz, sollte ein Auto entgegenkommen.

Die Straße ist einspurig und kurvenreich, aber recht ordentlich asphaltiert. Leitplanken oder ähnliche Schutzmaßnahmen sucht man allerdings vergeblich. Auf der gesamten Strecke sind 20km/h vorgeschrieben, schneller kann man auch nicht wirklich fahren wenn man sicher fahren möchte. Auf dem Weg zum Mirador schrauben wir uns auf annähernd 1.200 Meter hoch. Die Furt durch das ausgetrocknete Flussbett liegt bei etwa 250 Höhenmetern, der Anstieg ist also schon ganz ordentlich!

Als wir fast auf fast 1.000 Höhenmetern ein kleines Dorf passieren staunen wir nicht schlecht!

Am Mirador angekommen müssen wir erst einmal ein wenig verschnaufen. Diese Fahrt war echt abenteuerlich und ich würde sie jedem empfehlen der sich mit seinem Mietwagen in der Lage fühlt eine extrem enge kurvenreiche nicht ganz ungefährliche Straße zu befahren. Der Lohn sind spektakuläre Einblicke in die großartige Caldera de Taburiente, die man so an keiner anderen Stelle der Insel erhalten kann.



Es geht fast stetig steil bergab und einige Spitzkehren sind so eng, dass unser Opel Astra Mühe hat sie in einem Schwung zu nehmen. Oft reicht der Wendekreis so eben aus. Ich bin ganz still und versuche die aufkommende Angst und Panik zu beherrschen. Dann kommt in einer nicht einsehbaren Kurve plötzlich ein etwas älterer weißer Citroen Xsara mit echt flottem Tempo auf uns zu gerast. Wir haben nur Schritttempo drauf und unser Opel steht praktisch sofort, aber der Citroen rammt uns trotzdem fast frontal. Es fehlen nur ein paare Zentimeter und ich und Ansgar auch sind echt erschrocken und schwer bedient. Der Fahrer des Citroen ist ein junger Spanier, mit Baseball-Kappe und verspiegelter Sonnenbrille, er ist unglaublich cool aber er hat sich wohl auch erschrocken. Ich kann etwas ausweichen, er setzt zurück und dann passen unsere Autos haarscharf aneinander vorbei, das ist noch einmal gut gegangen. Genau das ist es, wovor ich Angst habe, man stürzt ab ohne das man etwas dafür kann und hat keine Chance es zu überlegen. Ich habe so einen Adrenalinstoß, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

Ein paar Kurven tiefer kommt uns später ein recht großer roter 4WD Truck entgegen. Der Wagen fährt aber sehr langsam, ich muss vielleicht 20 Meter zurücksetzen und dann passen wir aneinander vorbei. Während der nächsten Kurven versuchen wir unseren Blutdruck zu stabilisieren, aber dann kommt in einer engen Kurve ein etwas älterer grauer Mercedes auf uns zugeschossen. Au Backe warum müssen die Leute hier auf der Insel alle fahren wie die Henker? Aber auch hier geht alles gut. Eines muss man den Kanarios ja lassen, so krass sie ihre kleinen Blechkarren auch um die engen Kurven zirkeln, so gut haben sie das auch im Griff – die meisten jedenfalls…

Als wir die Fuhrt erreichen machen wir eine kurze Pause. Der Rest des Weges ist dann ziemlich einfach zu fahren und es gibt keine weiteren atemberaubenden Zwischenfälle.

Auf halbem Wege zwischen Los Llanos und unserem Hotel zieht dann Nebel auf. Das Wetter kann sich hier auf den Kanaren schnell ändern. Die Straße ist echt kurvig und schwer unübersichtlich und dann dieser wirklich dichte Nebel. Das ist nicht so angenehm wie es sich hier liest!

Als wir endlich zum Hotel „absteigen“ können, lichtet sich bei etwa 500 Höhenmetern der Neben und über uns ist tatsächlich eine dichte tief hängende Wolkendecke. Nach all dem ultrablauen Himmel der letzten Tage können wir das kaum fassen.

Am Hotel sind wir ziemlich erledigt und es geht nur schnell etwas essen. Danach ist relaxen angesagt.

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