Kamerapflege

Aus dem Leitfaden “Digitale Fotografie”

Kamerapflege

Staub und Fussel sind der Erbfeind der digitalen Fotografie. Schon auf dem Film und beim Vergrößern wurden alle Register gegen die lästigen Plagegeister gezogen: Druckluft und Antistatikmittel, gepaart mit speziellen Handschuhen und einem peniblen Umgang mit sensiblen Dias, Negativen und Abzügen. Beim Scanner galt es, sowohl die Vorlage als auch das Vorlagenglas stets frei von Staub und Fingerabdrücken zu halten, um sich nicht durch mühseliges Ausflecken zum Retuscheur zu degradieren. Aber auch in der Digitalkamera wirbelt der Staub den Staub auf …

Sensorreinigung

Wo früher der Film, auf dem sich Stäubchen und Fussel niedergelassen hatten, einfach ausgewechselt wurde, wird der Sensor zum standhaften Staubfänger auf Dauer – besonders, wenn häufiges Wechseln der Objektive dem Staub Tür und Tor öffnet. Zusätzlich zu kleinsten Schwebeteilchen, die sich mit klassischen Reinigungsmethoden genauso gut entfernen lassen wie bei der analogen Kamera (empfohlen wird hierfür ein einfacher Blasebalg; das günstigste dürfte ein Klistierbällchen aber ohne Talkum!!! aus der Apotheke sein), bleiben durch Luftfeuchtigkeit und einen Hauch von Schmiermitteln feinste Mikropartikel auf dem Sensor haften. Mit einfachem Ausblasen ist es dann nicht mehr getan. Der Einsatz von Wattestäbchen verbietet sich aufgrund der Gefahr, dass sich Fasern lösen und die Mechanik beeinträchtigen können. Ebenso dürfen keine chemisch behandelten Reinigungstücher für Brillen benutzt werden – auch nicht für das Objektiv oder das LCD, denn die Vergütung der Linse bzw. des Displays kann dabei verkratzt werden. Von Druckluftdosen ist ebenfalls nur abzuraten, denn hier hat schon so manch ein Fotograf das Temperatur- und Treibgasproblem unterschätzt. Es gibt Gerüchte, dass Objektive nur bei ausgeschalteter Kamera ausgetauscht werden sollen, damit der Sensor nicht im geladenen Zustand „frei gesetzt“ wird, in dem Partikel schneller angezogen werden und dass schnelle Aufnahmeserien den Sensor mit statischer Energie aufladen – Theorien, die sich allerdings nicht beweisen lassen. Eklipse ist eine Flüssigkeit und Sensor Swab sind spezielle Reinigungstücher „am Stiel“ von Photographic Solutions aus den USA, die in der Größe speziell auf den Sensor abgestimmt sind (z.b. für Fuji S1 und S2, Kodak DCS, Nikon D1, Canon EOS 20D) und von Kodak, Leica und Fuji für die Reinigung ihrer Digitalkameras empfohlen werden. Das Reinigungstuch soll tatsächlich auf die Größe des Sensors angepasst sein und von jeder Seite nur einmal benutzt werden. Die Flüssigkeit ist ein hochreines Methanol (nur in gut belüfteten Räumen benutzen!), das nahezu vollkommen ohne Rückstände verdunstet, während die Reinigungstücher im Reinraum hergestellt und versiegelt wurden, nicht fusseln und nicht kratzen. Wichtig ist eine ordentliche Stromversorgung der Kamera, damit der Spiegel oben und der Verschluss offen bleibt, während die Kamera gereinigt wird.

Fast immer ist es ein strahlend blauer Himmel, der das schmutzige kleine Geheimnis ans Tageslicht bringt: Staub und Fusel auf dem Sensor beeinträchtigen Aufnahme.

Anschließend ist eine Testaufnahme obligatorisch: Objektiv aufsetzen, den Autofokus ausschalten und Blende 11 oder 16 einstellen, um einen weißen Karton abzulichten (vorzugsweise mit einer Blendenkorrektur in Richtung Überbelichtung um zwei Blendenstufen). Das Ergebnis mag zwar in der Vergrößerung im Bildbearbeitungsprogramm hauchzarte Reste von Staubpartikeln erraten lassen, die aber in einem „echten“ Foto niemals sichtbar in Erscheinung treten werden. Auf keinen Fall darf sich ein ehrgeiziger Fotograf von winzig kleinen Staubresten zur Verzweiflung treiben lassen: Erst eine hohe Zoom-stufe zeigt die Artefakte, die durch Staub und andere Verschmutzungen auf dem Sensor entstehen, sehr deutlich. Die Zoomstufen der Bildbearbeitungsprogramme haben die Ansprüche vieler Fotografen in die Höhe getrieben. Obwohl Sensoren von einem gläsernen Antialiasing Filter oder einem optischen Glas bedeckt sind und die Reinigung nicht anders abläuft als die Reinigung der Frontlinse, kann das Säubern des Sensors zu einer feinmotorischen Herausforderung geraten. Wer sich der Gefahr, durch falsche Reinigungsgeräte oder eine unachtsame Bewegung die Oberfläche des Filters, die Glasplatte oder den Spiegel zu beschädigen nicht aussetzen möchte, dem bleibt der regelmäßige Gang zum Service des Herstellers. Fast immer ist es ein strahlend blauer Himmel, der das schmutzige kleine Geheimnis ans Tageslicht bringt: Staub und Fusel auf dem Sensor beeinträchtigen Aufnahme. Erst eine hohe Zoomstufe zeigt die Artefakte, die durch Staub und andere Verschmutzungen auf dem Sensor entstehen, sehr deutlich.

Sensor, Sensor, schüttle dich …

Der Supersonic Wave Filter ist jeweils vor dem CCD angebracht. Die durch ihn verursachten Ultraschall-Schwingungen sind so schnell und effektiv, dass der dort angesammelte Staub und andere Schmutzpartikel abfallen und an einer speziell beschichteten Folie haften bleiben. Diese Funktion startet bei jedem Ein-schalten der Kamera, kann aber auch manuell aktiviert werden. Bildmaterial: Olympus

Olympus bietet mit der E-1 eine aktive Staubminderung durch einen sogenannten Supersonic Wave Filter, der vor dem CCD angebracht ist und durch Schwingungen dafür sorgt, dass Staub- und Schmutzpartikel abfallen und von einer speziell beschichteten Folie dauerhaft abgefangen werden. Jedes Einschalten der Kamera startet diese Funktion ohne jegliches Geräusch oder Vibration und beseitigt Staub- und Fusselpartikel mindestens so gründlich wie ein Blasebalg, aber schonender und zuverlässiger. Für fest haftende Partikel empfiehlt sich der Service, der die staubfangende Folie in regelmäßigen Abständen auswechselt.

Angst vor Pixelfehlern? Sie können bei digitalen Camcordern oder Konsumkameras auftreten, die über mehrere Minuten auf eine gleißende Lichtquelle gerichtet sind. Ein Sonnenuntergang wird keinem Pixel auf dem empfindlichen Sensor schaden.

Angst vor Pixelfehlern? Sie können bei digitalen Camcordern oder Konsumkameras auftreten, die über mehrere Minuten auf eine gleißende Lichtquelle gerichtet sind. Ein Sonnenuntergang wird keinem Pixel auf dem empfindlichen Sensor schaden.

Im gleißenden Licht der heißen Wüstensonne

Zu dauerhaften Pixelfehlern kann es kommen, wenn die Kamera zu lange mit geöffneter Blende in eine extreme Lichtquelle blinzelt. Der digitalen Spiegelreflexkamera wird das kaum passieren, aber die digitale Kompakte hält die Blende stets geöffnet, um ihr Display mit der Livevorschau zu „füttern“. Aber bevor uns jetzt beim nächsten Sonnenuntergang Angst und Bange wird: So lang die Kamera nicht auf dem Stativ über Minuten auf die helle Mittagssonne gerichtet wird, darf der Sonnenuntergang lustvoll durch alle Phasen hinweg abgelichtet werden.

Bei Nebel, Wind und Wetter

Vor Regen, Schnee und Spritzwasser lässt sich die Digitalkamera durch eine Plastiktüte (Tipp: die Kühltaschen aus der Tiefkühlabteilung des Supermarkts) mit einer Öffnung für das Objektiv schützen, denn die Elektronik regiert sensibel auf Feuchtigkeit. Sicherer und bequemer ist auf jeden Fall ein angepasstes Schutzgehäuse. Zurück im warmen Zuhause sollte die Kamera auf jeden Fall mit einem weichen Tuch getrocknet werden. Für die digitale SLR und die Kompaktkamera mit Filtergewinde ist ein UV-Filter wie schon bei der analogen Kamera ein perfekter Schutz für das Objektiv. Dass Sand und salzige Luft dem Gehäuse schaden, ist nichts Neues und betrifft analoge und digitale Kameras. Sollte die Digitalkamera einmal zu rauen Wetterbedingungen oder einem langen Nebelmorgen ausgesetzt gewesen sein, schalten Sie die Kamera aus und nehmen Akku und Speicherkarte heraus, um sie mindestens 24 Stunden an der Luft zu trocknen.

Unterwegs bei eisigen Temperaturen

Nicht nur große Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit machen der Digitalkamera zu schaffen – während das LCD bei niedrigen Temperaturen schnell träge wird, kann die Kamera bei eisigen Temperaturen schon mal kurzzeitig den Dienst verweigern. Wenn es dauerhaft wahrhaft eisig wird, kann nur noch eine rein mechanische Kamera verlässlich ihren Dienst verrichten. Wer mit Auto und Kamera unterwegs ist, sollte der Fototasche also einen Platz im Wageninneren gönnen, statt die Kamera der Kälte des Kofferraums auszusetzen. Kälte macht auch Akkus und Batterien zu schaffen und die Folgen können von einer leichten Beeinträchtigung der Leistung bis zum sichtbaren Leistungsverlust reichen. Der Ersatzakku verbringt die Zeit bis zum Einsatz am besten in einem kleinen Kunststoffbehälter in der warmen Jacken- oder Hosentasche. Damit die Finger auch bei kühlen Temperaturen beweglich bleiben, sind Gel Packs für die Manteltasche ein perfekter Begleiter an kalten Tagen. Sie enthalten ein kleines Metallplättchen, das erst beim Knicken das Gel Packs aktiviert und Wärme frei setzt. Aber erst, wenn ein Pack nicht mehr genug Wärme für die Finger abgibt, darf es in der Fototasche verstaut werden. Digitale Kameras, Batterien und Akkus sollten nicht für längere Zeit Temperaturen über 40° C ausgesetzt werden.

Flugreise

Die Benutzerinformationen und Faltblätter von Speicherkarten mit offenen Kontakten warnen insbesondere vor dem „Daumenabdruck“: Die Speicherkarten sollten nur am Kunststoff angefasst werden.

Eine typische Fragestellung bei Flugreisen: Kann die Digitalkamera durch die Durchleuchtung während einer Sicherheitskontrolle am Flughafen beschädigt werden? Kann das Abtasten mit einem Metalldetektor dazu führen, dass Daten auf der Speicherkarte gelöscht werden?

Aber da besteht keine Gefahr. Auch wenn es theoretisch möglich ist, dass Speicherstellen durch eine starke ionisierende Strahlung gelöscht werden, ist die dafür notwendige Dosis um Größenordnungen höher als die Leistung der Röntgengeräte bei der Gepäckkontrolle. Wer allerdings bei Reisen in entfernte Winkel befürchtet, dass die Röntgengeräte zur Gepäckkontrolle nicht auf dem neusten Stand sind, sollte die Speicherkarte aus der Kamera entnehmen und sie von Hand kontrollieren lassen. Wer mit seiner Spiegelreflexkamera reist und vorsichtshalber den oben beschriebenen Reinigungsset mitnehmen möchte, wird gefilzt: Die Reinigungsflüssigkeit ist leicht entzündbar und darf nicht mit in den Flieger.

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Über ntschotschi

Weitere Informationen sind auf den verschiedenen Side´s im Blog unter der jeweiligen Überschrift zu finden & viele verschieden Bilder gibt es unter: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1439442 http://www.flickr.com/photos/58635682@N05 Über Kommentare sowie Feedbacks, Anregungen & auch offene und ehrliche Kritik würde ich mich sehr freuen. Also auf geht es zum stöbern & ich wünsche Euch viel Spaß
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